Cleantech ist ein zentraler Bestandteil unserer Investmentstrategie

Seedkapital

Von: Alexander Hüsing

07.07.2009

Stephan Schulze von der IBB Beteiligungsgesellschaft im Gespräch mit Alexander Hüsing über Ökosandalen, Elektroautomobile und das ganz große Geld.

Stephan Schulze von der IBB Beteiligungsgesellschaft

Herr Schulze, wie wichtig ist das Thema Cleantch für die IBB Beteiligungsgesellschaft?

Stephan Schulze: Wir sind jetzt seit zwölf Jahren als Investor aktiv und von Anfang an haben wir drei Investitionsbereiche: Internet-Kommunikationstechnik, Medizintechnik und Factory Automation unter dem Cleantech bei uns läuft. Schon 1999 haben wir die erste Beteiligung im Brennstoffzellenbereich getätigt. Das Unternehmen haben wir erfolgreich an die Börse geführt und betreuen es noch immer. Cleantech ist ein zentraler Bestandteil unserer Investmentstrategie. In den vergangenen Jahren hat das Thema – nicht nur bei uns - deutlich Fahrt aufgenommen. Weitere Investoren haben den Markt für sich entdeckt und es sind eigene Cleantech-Fonds entstanden, die nichts anderes machen, als in Cleantechunternehmen zu investieren.

Wie definieren Sie Cleantech?

Cleantech ist neben Dingen wie Photovoltaik, Windenergie und alternative Energieerzeugung, die selbstverständlich nahe liegen, noch viel mehr. Im Grunde fällt darunter alles, was Ressourcen einspart. Also nicht nur energieeffizientere, sondern auch rohstoff- und ressourceneffizientere Technologien. Aber auch Technologien, die andere Dinge erfolgreich beflügeln können, energieeffizienter zu sein - also Sensorik, Batterietechnik oder sonstige Sachen, die umweltschonendere Technologien überhaupt erst ermöglichen. Das Ökosandalenimage hat die Branche längst abgelegt. Sie vermischt sich - soweit ich das sehe - immer mehr mit den klassischen Industrien, wie zum Beispiel Maschinenbau und Verfahrenstechnik. Wenn diese Symbiose gelingt, kann Deutschland in diesem Segment richtig stark werden.

Der große Cleantech-Boom kommt somit erst noch?

Wir erwarten eine weitere deutliche Belebung. Bereits jetzt bekommen wir sehr viele Anfragen und die Qualität der Beiträge steigt. Früher waren es eher die Bastler, die tolle technische Ideen präsentiert haben und dabei das Geschäftsmodell dahinter vergessen haben. Heute machen sich Gründer viel mehr Gedanken, wie sie mit ihrer Idee Geld verdienen können. Dass eine technische Idee alleine nicht ausreicht, ist vielen inzwischen klar. Wir erwarten, dass sich besonders im Bereich regenerative Energien, beim Thema Ressourceneinsparen, sauberes Wasser und in der Energiedämmung einiges tun wird.

Woher kommt ihr Interesse an der Cleantechbranche?

Mit dem Thema Cleantech beschäftige ich mich schon sehr lange. Ich selbst habe mal bei einem kleinen Start-up im Bereich Elektroautomobile gearbeitet. Leider waren wir damals der Zeit voraus: Es hat geklappt, die Autos zu entwickeln und zu bauen. Aber das Verkaufen war dann der Punkt, wo es schwierig wurde. Der Markt war noch nicht so weit. Es freut mich sehr, dass es inzwischen wieder Unternehmen gibt, die sich um das Thema kümmern. Mir ist es ein großes Anliegen, dass sich solche Technologien durchsetzen und diese mit der entsprechenden Finanzierung zu unterstützen.

Was bietet die IBB Beteiligungsgesellschaft Gründern, die eine Idee haben, bei der es um Ressourceneinsparung geht?

Wie es unser Name schon sagt, bieten wir Beteiligungskapital. Wir können aus unserem Anfang 2008 gestarteten 52 Millionen Euro großen VC Fonds Technologie Berlin bis zu drei Millionen Euro in ein Unternehmen investieren. Zum Anfang geben wir bis zu 1,5 Millionen in einer Finanzierungsrunde. Damit haben wir immer noch ausreichend Geld, um auch weitere Finanzierungsrunden begleiten zu können. Was wir aber vor allem bieten ist eine aktive Begleitung: Wir unterstützen Gründer von der Gründungsphase an bis zu einem erfolgreichen Exit und können gemeinsam mit anderen Investoren das Wachstum als Sparringspartner aktiv begleiten.

Was muss ein Unternehmen bieten, damit es interessant für die IBB Beteiligungsgesellschaft ist?

Es muss mindestens einen Businessplan und eine Vision bieten. Allerdings sollte es einen Proof of Concept geben. Den Proof of Market können wir uns auch gemeinsam nähern. Wenn es hinreichend klare Erfolgschancen im Markt gibt, würden wir auch schon vor den ersten Umsätzen investieren.

Die IBB Beteiligungsgesellschaft investiert aber nur in Unternehmen, die in Berlin beheimatet sind, oder?

Ja, wir sind ausschließlich auf Berlin fokussiert, was gerade in der frühen Phase absolut Sinn macht. So kennen wir insbesondere auch durch unsere guten Verbindungen zu unserer Muttergesellschaft, der Investitionsbank Berlin die regionalen Besonderheiten sehr gut.

Wer seinen Unternehmenssitz nach Berlin verlegt hat somit wieder Chancen?

Natürlich! Wir legen Wert darauf, dass in Berlin möglichst lange das Headquarter ist  und das Unternehmen von hier gesteuert wird. Wenn im Rahmen des weltweiten Wachstums des Unternehmens weitere Standorte eröffnet werden und internationale Investoren in die Finanzierung einsteigen setzen wir uns weiterhin für einen starken Standort in Berlin ein und unterstützen alle notwendigen Maßnahmen für eine erfolgreiche Internationalisierung unserer Beteiligungsnehmer.

Wie sieht die Bilanz der IBB Beteiligungsgesellschaft aus?

Wir haben in den vergangenen zwölf Jahren 77 Millionen Euro aus unseren Fonds investiert. Mit anderen Investoren gemeinsam haben unsere Beteiligungen in diesem Zeitraum insgesamt 600 Millionen Euro Eigenkapital und somit ein Vielfaches unserer Investments erhalten. In einer frühen Phase investieren wir ziemlich stark mit und stellen in der Regel die Hälfte des vom Unternehmen benötigten Betrages. Wenn weitere Finanzierungsrunden dann in den zwei- und dreistelligen Millionenbereich gehen, können wir mit unserem begrenzten Fondsvolumen natürlich nur noch einen Minianteil tragen. Große internationale Investoren finanzieren dann den Löwenanteil. Wenn wir überzeugt sind, dass es ein gutes Investment ist, dann geben wir gerne noch mal weiteres Geld.

Aber nicht jedes Investment wird eine Erfolgsgeschichte.

Leider nein. Wir vergeben Risikokapital. Es hat eine Riesenchance, aber es gibt das Risiko des Scheiterns. Und wie bei anderen Fonds auch, da machen wir keinen Hehl daraus, gab es auch bei uns Investments, die nicht aufgegangen sind. Wie alle anderen länger am Markt befindlichen VC-Gesellschaften hatten auch wir Misserfolge. Wir liegen aber im guten Branchenmittel.

Welche Mechanismen gibt es für Unternehmen, die in Schieflage geraten sind?

Ein Punkt, der uns im Investorenumfeld auszeichnet, ist unsere intensive Begleitung der Unternehmen. Wenn es eine Schieflage gibt, kennen wir in der Regel auch die Märkte, auf denen die Unternehmen aktiv sind. Dadurch trauen wir uns zu, schnell eine Einschätzung der Situation liefern zu können. Wenn es irgendeine Chance gibt, dass das Unternehmen erfolgreich werden kann und es momentan nur gilt eine Durststrecke zu überbrücken, setzen wir uns stark dafür ein gemeinsam mit den Mitgesellschaftern diese Zeit zu überbrücken. Oder wir schauen, welche Maßnahmen man gemeinsam durchführen kann um die Reichweite zu erhöhen und die Durststrecke zu überbrücken.

Mit der CleanTech Initiative wollen wir die Branche stärken. Was sind Ihre Wünsche?

Vor allem eine Bildung von Netzwerken, um den Austausch zwischen jungen Unternehmen und etablierten mittelständischen Industrien zu fördern. Impulse aus dem Mittelstand und Ideen aus Universitäten können dazu führen, dass wieder etwas Neues entsteht.

Zur Person
Stephan Schulze arbeitet seit zwölf Jahren bei der IBB Beteiligungsgesellschaft - inzwischen als Prokurist. Der passionierte Langstreckenläufer ist zuständig für den Bereich Factory Automation inklusive CleanTech. Schon während seines Studiums (Wirtschaftsingenieurwesen der Fachrichtung Maschinenwesen an der TU Berlin) schnupperte er in den VC-Bereich. Nach der Uni half er beim Aufbau des Gründerzentrums am Borsigturmin Berlin, danach war er kaufmännischer Assistent der Geschäftsleitung bei Arton Automobile, einem Hersteller für Elektroautomobile.