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Der CreaSolv®-Prozess – Technologischer Durchbruch beim Recycling von Kunststoffen aus Elektro(nik)abfällen

Universität/Institut:Fraunhofer - Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung IVV
Abteilung:Kunststoff-Recycling
Region:Bayern
Ansprechpartner:Dr. Martin Schlummer
Tel. +49 8161 491-750
Email: This e-mail address is being protected from spam bots, you need JavaScript enabled to view it
Projektlaufzeit:ab 2004
Inhalt:In Deutschland werden jährlich ca. 2 Mio Tonnen Elektronikschrott erfasst. Davon bestehen 400 000 Tonnen aus verschiedenen Kunststoffmaterialien. Die in der europäischen Elektronikschrott-Richtlinie (WEEE) festgelegten Verwertungsquoten von 75 % werden dafür bei weitem nicht erreicht.

Die Gründe dafür liegen einerseits in der polymeren Materialvielfalt und andererseits in möglichen Störstoffkontaminationen. Neben Schwermetallen (Pb, Cd) spielen hier Flammschutzmittel eine entscheidende Rolle.

Daher wurden im Demonstrationszentrum Produktkreisläufe der Fraunhofer-Gesellschaft Kunststoffe aus Elektronikschrott untersucht und auf ihre Eignung für werkstoffliche Verwertungswege geprüft. Dabei wurde ein Wertstoffpotenzial von etwa 400 Mio Euro identifiziert. Dies gilt allerdings nur, wenn es gelingt, regulierte Flammschutzmittel (PBDE, PBB) auf Gehalte unter 0,1 % zu reduzieren und PBDD/F-Konzentrationen unterhalb der genannten Grenzwerte zu gewährleisten.

Erstmalig löst diese Aufgabe der CreaSolv®-Prozess. Das neue, vom Fraunhofer IVV in Zusammenarbeit mit der CreaCycle GmbH, Grevenbroich, optimierte Recycling-Verfahren ist patent- und markenrechtlich geschützt. Der Prozess beruht auf der selektiven Extraktion des Zielpolymers aus Kunststoffabfall, gefolgt von einem Reinigungsschritt. Hier werden Fremdmaterialien, z. B. unerwünschte Additive, wie Flammschutzmittel, und toxische Zerfallsprodukte effektiv abgetrennt. Der Kunststoff wird gereinigt zurückgewonnen. Die produzierten hochreinen Rezyklate werden gegebenenfalls konfektioniert und erreichen Neuware-Spezifikationen.

Durch Variationen in der Wahl der Lösungs-, Reinigungs- und Fällverfahren wurde die Eliminierung von Flammschutzmitteln und PBDD/F optimiert. Dadurch erreicht der CreaSolv®-Prozess, bei dem mehrere Abreicherungsschritte kombiniert werden, Eliminierungsraten für bromierte Flammschutzmittel und PBDD/F von über 90 %. Die Grenzwerte der ChemVV werden dadurch eingehalten, die Rezyklate sind verkehrsfähig und die Werkstoff-Kennwerte liegen im Neuware-Bereich.

Relevanz:Als nächste Ausbaustufe ist eine Demonstrationsanlage für 500 Jahrestonnen geplant. Auf dieser Basis soll die erste industrielle Produktionsanlage errichtet werden, um das große Wertstoffpotenzial zu erschließen. So können Unternehmen aus der Elektro- und Entsorgungsindustrie die in der aktuellen EU-Elektroaltgeräte-Richtlinie geforderten Verwertungsquoten erfüllen.
Kooperationsmöglichkeiten:Elektroindustrie
Entsorgungsindustrie
Themenbereiche- Rohstoff- und Materialeffizienz
- Kreislaufwirtschaft
Letzte Änderung: 6. April 2010
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